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Sammelbände der Friedensgemälde

Die jährliche Verteilung der Friedensgemälde an die evangelischen Schüler Augsburgs am Kinderfriedensfest lenkte die Aufmerksamkeit auf diese Kupferstiche und ließ sie zu einem beliebten Sammelgegenstand weit über die Grenzen der Reichsstadt hinaus werden. Trotz der verglichen mit der Schülerzahl verhältnismäßig hohen Auflage von über 1000 Exemplaren waren deshalb die Blätter rasch vergriffen. Um die spätere Nachfrage nach den Kupferstichen zurückliegender Jahre zu befriedigen, wurden im Abstand von einigen Jahrzehnten deshalb Sammelbände mit allen seit 1651 erschienenen Friedensgemälden herausgegeben. Dabei sind zwei Arten von Sammelausgaben zu unterscheiden. Zum einen wurden 1678, 1748 und 1790 Nachdrucke von den originalen Kupferstichplatten, die in der Gemeinde Zu den Barfüßern aufbewahrt wurden, herausgebracht. Dabei wurde der erläuternde Text in der Regel auf der gegenüberliegenden Seite abgedruckt, so dass sich ein Querfolioformat ergab. Zum anderen wurden 1717 und 1748 Sammlungen im stark verkleinerten Taschenformat verlegt, für die natürlich alle Bilder neu gestochen werden mussten. Die kleineren preiswertesten Ausgaben mit kurzen Prosafassungen der gereimten Erklärungen sollten auch weniger begüterten Interessenten den Kauf ermöglichen. Manche Liebhaber wendeten hingegen noch zusätzliche Kosten auf, um die Kupferstiche farbig ausmalen zu lassen. Dies gilt auch für die schönste, bis 1750 reichende Sammlung von prachtvoll kolorierten Friedensgemälden, die sich erhalten hat und die die Grundlage der Ausstellung bildet. Sie stammt aus dem Besitz des Posamenters Christian Abraham Halder mit einem Besitzvermerk von 1708. Nur die ersten Blätter, bis 1653 sind dabei dem Nachdruck von 1678 entnommen.

Für das Geschichtsbewusstsein der protestantischen Auftraggeber ist bezeichnend, dass die Sammelausgaben zu Gedenkjahren der evangelischen Bürgerschaft herauskamen: 1678 zum dreißigjährigen Jubiläum des Westfälischen Friedens, 1717 zur Zweihundertjahrfeier des Beginns der Reformation und 1748 zum hundertsten, Jahrestag des Westfälischen Friedens. Der Beschluss, die alljährliche Ausgabe von Friedensgemälden einzustellen, ging demgemäß mit dem erklärten Willen einher, die große Tradition würdig und angemessen abzuschließen. Der evangelische Ratsteil erteilte deshalb am 15. Mai 1790 der Gemeinde Zu den Barfüßern den Auftrag, zum Kinderfriedensfest dieses Jahres noch eine letzte vollständige Sammlung aller Friedensgemälde herauszugeben. Das Titelblatt dieses Bandes im klassizistischen Stil verdeutlicht noch einmal die erzieherischen Absicht der Blätter und mit dem beigefügten Inhaltsverzeichnis und den Registern der biblischen Bücher und der Kupferstecher wird die innere Einheit der Friedensgemälde als großes Erbauungsbuch und Bilderbibel von Rang unterstrichen.

(H. Gier)